Wahrlich ein Haus der Superlative: Der Branzino (in schützender Salzkruste) ist so groß, dass er fast für 4 Personen reicht. Die Lotte schwamm soeben noch, nichts Böses ahnend, im Meer und landete vor gerade mal 20 Minuten in Nunzio Asciones Küche. Von der Seezunge gar nicht zu reden: Ein schöneres, frischeres Exemplar wird man in ganz Köln nicht finden. Nunzios Bruder Massimo, der sich um die Gäste kümmert, gerät sichtlich ins Schwärmen.
Die unvermeidliche Schiefertafel, die naturalmente nur rare Spezialitäten listet, rezitiert er wie ein Epos von Dante – oder ein Drehbuch des hier hochverehrten (und in zahllosen Filmphotos omnipräsenten) Federico Fellini. Noch mehr als Amarcord und Dolce Vita liebt Massimo aber den Fußball – doch heiße Diskussionen darüber können den selten atemberaubenden, aber meist vergnüglichen Piatti zum Glück nichts anhaben.
Der erste Gruß, etwa Kalbfleisch auf gelbem Paprika, mit Mozzarella gratiniert, schmeckt bereits nach mehr. Im Brodetto (einer klaren Brühe) von Edelfischen und Meeresfrüchten stört nur der entschieden zu lange gegarte Thun. Die mit Zander gefüllten Tortellini in stimmiger Krustentiersauce machen nicht nur Pastafreunde froh. Und die vorzüglichen Kalbsnieren werden von einem bestens balancierten Honig/Senf-Sößchen noch aufgewertet.
Massimo, der Fellinis Weinschätze hütet, empfiehlt dazu (gern auch glasweise) einen guten säurearmen Trebbiano – eine treffliche Wahl! Also nehmen wir noch einen kräftigen Schluck und mosern nicht kleinlich über die nach wie vor langweiligen Gemüschen oder den krümelig-trockenen Schokoladenkuchen „Caprese“. Kein Wunder, dass der nichts taugte: Capri-Fischer kennt jeder, aber von Capri-Bäckern hat noch niemand etwas gehört...
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.