Als Doc Cheng vor über zehn Jahren antrat, jüngere Gäste in das distinguierte Hotel Vier Jahreszeiten zu holen, war sein Konzept einer aromenstarken Fusionküche ganz auf der Höhe der Zeit. Und weil es so gut ankam, wurde auch wenig daran geändert. Mit dem Ergebnis, dass man hier zuletzt immer noch solide Gerichte und einen hervorragenden Service erwarten durfte, Überraschungen aber nicht.
Umso neugieriger waren wir, als im Herbst 2010 nach halbjähriger Schließung wiedereröffnet wurde. Am Ambiente änderte sich wenig, die kolonial-orientalische Einrichtung und das Schummerlicht verleihen dem großen, fensterlosen Raum mit der offenen Küche noch immer verblüffende Intimität. Dafür gibt es einen neuen Küchenchef: Phillipp Troppenhagen, der trotz seiner Jugend schon weit herumkam – in Hamburg, der Schweiz und zuletzt in der Flusskreuzschiffahrt. Was er an der bunten, aber mittlerweile doch arg vertrauten Mischung aus europäischen und asiatischen Elementen ändern will und darf, konnten wir noch nicht ermessen. Wir freuten uns aber schon über einige neue Gerichte mit französischerem Einschlag.
Beim Teufelssalat (in Chiliöl marinierter Tafelspitz) mit Ziegenkäse im Auberginenmantel und einem karamellisierten Rinderfiletscheibchen setzte die exakte Garung das hochwertige Fleisch gut in Szene. Bei den Entenfrikadellen mit Zwiebelringen, Ingwerkartoffelpüree und dem arabischen Mischgewürz Baharat gefiel uns das Zusammenspiel der Aromen. Nur die wurstweiche Konsistenz der Fleischbällchen störte. Schwächen zeigt die Küche, wenn sie sich an asiatischen Nationalgerichten versucht. Die dürftige Variation von Sushi und Tempura beeindruckt wohl nur noch den, der so etwas zum ersten Mal kostet.
Unter neuer Leitung steht auch die flinke Servicebrigade. Für Raoul Steinbach, der ins hauseigene Gourmetrestaurant Haerlin wechselte, kam Nadine Abou-Chabab, auch sie vorher in der Kreuzfahrt und namhaften Hamburger Betrieben. Ihre wohltuende Natürlichkeit macht hoffentlich Schule.
Denn wer hier eine Weile sitzt, kommt sich vor wie bei den Durchsagen der Deutschen Bahn: immer wieder dieselben auswendig gelernten Formeln. „Genießen Sie noch?“, „Darf ich Sie schon davon befreien?“, „Gestatten Sie mir eine persönliche Empfehlung?“, so geht das in einem fort. Und selbst die Empfehlung ist immer die gleiche. Dabei soll es hier doch entspannt zugehen, jedenfalls für den Gast. Da darf man es auch beim Service mit dem Drill nicht übertreiben.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.