Den Besuch in diesem traditionsreichen original Schwarzwälder Vorzeigegasthof sollte es
auf Krankenschein geben. Hier kann der von Finanz-, Wirtschafts- und Regierungskrisen gebeutelte und verunsicherte Mensch so etwas wie Ruhe, Geborgenheit und Wohlbefinden erleben – in dem seit einem Vierteljahrhundert unverändert gemütlichen Ambiente. Auch das gleich bleibende Speisenangebot und die rastlos, mit sichtlicher Arbeitsfreude um den Gast bemühte Adlerwirtin beruhigen ungemein.
Wir könnten uns seit Jahren in jedem neuen Guide mit diesem einen Sätzchen begnügen: Alles wie gehabt im schönen Glottertal – gottseidank!
Aber wir erzählen ja gern von den sorgfältig zubereiteten regionalen Schmankerln wie den Wildgerichten aus heimischer Jagd, dem mal in deftiger Spätburgundersauce geschmorten, mal mit Aromaten gebratenen Gitzi (Zicklein) aus der Region oder der zarten Leber (letztes Mahl auf Grünkernrisotto). Oder den in Mandelbutter gebratenen Eglifilets und dem Zander auf Gemüsebrunoise aus dem Bodensee sowie den Forellen aus Teichen der Umgebung. Wem das nicht fein genug ist, der kann bei einer mit Hummer gefüllten Seezungenroulade in Rieslingsauce oder gebratenem Steinbutt mit frischen Morcheln glücklich werden. Nicht vergessen dürfen wir die in der Region aufgezogenen Kälbchen. Deren Niere in Senfrahmsauce, Briesle und Züngle in Schnittlauchsauce oder Geschnetzeltes mit Rösti ist köstlich und wird saucenreich serviert.
Damit haben wir nur einen minimalen Einblick in die drei Seiten lange Speisekarte geboten, die sich mittags noch um einige preiswerte Tagesgerichte erweitert: geschmortes Lammhäxle, Tafelspitz mit Meerrettichsauce und Bouillonkartoffeln, (mit Knödelteig) gefüllte Kalbsbrust mit Kroketten und Gemüse.
Bei dem Arbeitspensum verwundert es nicht, dass die Desserts allesamt vorgefertigt sind und über allerlei Eis- und Sorbetvariationen mit Früchten nicht hinauskommen, von Crème brûlée und Mousse au chocolat mal ganz zu schweigen. Statt internationaler bzw. französischer Käseauswahl gibt’s hier Bergkäse vom Schwendehof, den herrlichen Ziegenfrischkäse vom Ringlihof in Horben und den „angebatzten“ Rotschmierkäs mit Zwiebeln, Kümmel, Lauchbutter und Bauernbrot.
Die Weinkarte ist stramm badisch und nach wie vor nach Anbaugebieten geordnet, preiswerte Viertele eingeschlossen und den Haus-champagner (vom Adlerwirtskollegen Fritz Keller in Oberbergen exklusiv importiert) gibt’s glasweise schon für 9 €.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.