Im Nachhinein wird sich mancher ärgern, dass ihm dieses Rezept nicht selbst eingefallen ist: Man nehme ein Gericht, das weithin beliebt, aber nicht sehr hoch angesehen ist. Und mache das Beste daraus. Currywurst bietet sich dafür an. Da muss man nicht einmal kochen können. Es genügt, gute Würste aufzutreiben, eine schmackhafte Sauce anzurühren und ein paar originelle Beilagen vorzubereiten.
Auf diese Art haben Bianka Habermann und Sascha Basler beträchtliche Erfolge erzielt. Nicht nur ist ihr hübsch eingerichteter Imbiss so gut besucht, dass die Schlangen mitunter bis auf den Bürgersteig reichen. Auch die von Anfang an selbstsicher herausposaunten Expansionspläne scheinen Gestalt anzunehmen. An der Karlsruher Uni nahm eine Dependance den Betrieb auf. Beim Erscheinen dieses Guides sollen ein Internetshop und im Hamburger Zippelhaus ein Deli eröffnet sein.
Aber ganz so einfach ist das nicht. Denn auch wenn das Paar, ehedem im Musikgeschäft, sicher mehr von Marketing versteht als die meisten Gastronomen, ist das Entscheidende doch ein kompromissloses Bekenntnis zur Qualität. Die Currypulver stammen vom fränkischen Gewürzspezialisten Ingo Holland. Über die Herkunft der Würste verriet man uns nichts Genaueres. Aber sie unterscheiden sich wohltuend von der üblichen Großmarktware. Unsere Bisonbüffelwurst schmeckte tatsächlich nach Rindfleisch. Und die mildscharfe, erdige Curry-Tomatensoße war eigens darauf abgestimmt. Leider vermischte sie sich unschön mit dem verflüssigten Wurstfett, auf das wir gern verzichtet hätten.
Am Grill stehen üblicherweise der Chef oder die Chefin, was die Wartezeiten mitunter verlängert; aber ihr Enthusiasmus steckt an. Immer wieder entdecken sie neue Produkte, mal eine Pata negra-Wurst, mal ein El Bulli-Bier oder Bio-Wein aus Mallorca, mal ein gewöhnungsbedürftiges Kokos/Curry/Mango-Eis. Mitunter wird es allzu aromatisch. Zur Currysauce brauchen wir nicht noch ein Wasabi oder Tandoori-Dressing am Beilagensalat.
Die Stammkundschaft sieht das freilich anders. Die bestellt ihre Currywurst in der Geschmacksrichtung „Quick Killer“, die aus gutem Grund nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft wird. Ob die stattdessen das Ding aus Tofu nehmen?
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.