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Käfer im Bundestag

Schlitzohrige Touristen lieben das Dachgartenrestaurant im Reichstag vor allem dafür, dass sie mit einer Reservierung blitzschnell durch einen Nebeneingang eingelassen werden und die notorische Warteschlange umgehen. Den Blick vom Dach und aus der Kuppel können sie dann genießen, ohne das Restaurant auch nur zu betreten – aber wer macht denn so was...
Obwohl die Küche unglücklich konstruiert wurde und keine optimalen Arbeitsbedingungen bietet, strapazieren sich die Köche mit einem (bisweilen zu) anspruchsvollen Programm, das abends aufwendiger und teurer als mittags ist. Typisch für den Lunch: Käfers Dachgartensalat mit gebratenen Rinderfiletstreifen, Radieschen und Pfirsich; Spanferkelbäckchen auf Kartoffel-Zwiebelpüree und gegrillter Paprika; Cassis/Holunderblüten-Törtchen mit Schmandeis und Weißweinschaum. Abends rosa Thunfisch in der Pfefferkruste mit Passionsfrucht und Rucola; Kalbsfilet unter einer Trüffel-Karotten-Haube mit Wirsing-Kartoffelroulade und Périgord-Jus; Duett von Zitrone und Lavendel mit Zitrusragout und kandierten Limettenzesten.
Der gut organisierte Service gibt sich auch bei Andrang – der hier fast immer herrscht – keine Blöße, und die rein deutsche Weinkarte erfreut nicht nur mit guten Namen, sondern auch mit gereiften Weinen, die anderswo längst verschwunden sind. Das Beste aber ist der sensationelle Blick aus den Fenstern des kastigen, wenig anheimelnden Restaurants. Unbedingt ganz vorn reservieren!

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.