Peter Steverding, der nun bald 20 Jahre in diesem sehr schönen Fachwerkhaus mit Lehmwickeldecken kocht, unterzieht seine Küche immer mal wieder einem Revirement. Dagegen ist nichts zu sagen, im Gegenteil. Beklagten wir beispielsweise früher manchmal seine allzu kräftigen, fast süßen Saucen, so bot er uns in jüngerer Zeit sehr ausgewogene und abwechslungsreiche Feinkost, die sich erfreulich von Butter und Sahne entfernte.
Das scheint ihm aber offenbar nicht genug. Jüngst gewannen wir den Eindruck, dass er sich noch weiter von der französischen Klassik, die er hervorragend beherrscht, entfernen möchte. Das gelang ihm weniger gut, als wir es uns gewünscht hätten.
Denn der Kirsch-Tomaten-Cocktail, nicht aus Kirschtomaten, sondern aus Schwarzkirschen und Tomaten mit Kräutersalat bereitet war, blieb bloß eine witzige Idee, weil die Bestandteile keine geschmackliche Verbindung fanden. Oder: Weißer Pfirsich (ungeschält) gewann in der Kombination mit Lavendel nichts, sondern erhielt lediglich eine dumpfe, bräsige Note.
Bleibt Steverding auf klassischer Basis, gibt es eine hervorragende Jacobsmuschel mit Kräuterkruste, ein exzellentes Stück gebratener Gänseleber auf Avocado, wunderbar zartes Reh und ein kräftiges, saftiges Stück Presa vom Pata negra-Schwein (warum als „Filet“ auf der Karte?) mit gegrillter Pfeffermelone und dem gewohnt guten Jus. Bei einer aufwendigen Beeren/Mascarpone-Komposition, verfiel der Chef in alte Klassik: Sahne und Gelatine dominierten so stark, dass der Geschmacks trotz allen Aufwands kaum über einfache Rote Grütze hinauskam.
Der reibungslos funktionierende, professionelle Service hat es mit der Weinkarte leicht: Man verlässt sich weitestgehend auf gute Häuser der Pfalz, was bekanntlich ohne Qualitätsverzicht zu machen ist.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.