Florian und Marc Lambrich übernahmen das Elternhaus und wollen es nun kulinarisch auf Kurs bringen. Das Rüstzeug dazu erwarben sie u.a. in der Traube Tonbach und auf hoher See. Sie brüsten sich mit zahlreichen Prominenten, die sie schon bekocht haben, und mit den 16 Punkten, die wir dem Restaurant Venezia auf der MS Europa während Florian Lambrichs Zeit als Küchenchef zugestanden haben. Dabei unterschlagen sie aber geflissentlich, dass unsere Bewertungen von Kreuzfahrtschiffen wegen der Probleme auf hoher See einen Bonus haben.
Vielleicht fehlt ihnen hier ein wenig der Wellengang, denn so richtig überzeugen will die Leistung noch nicht. Die Karte ist zweigeteilt und bietet auf der einen Seite die Langweiler aus Oma Elses Küche wie Wildschweinssülze mit Remoulade oder Hirschgeschnetzeltes, auf der anderen ein ambitioniert wirkendes Menü.
Weil wir wissen wollten, was die Oma so auf der Pfanne hat, probierten wir den Rheinischen Sauerbraten. Das Rind war wohl genauso alt wie sie selbst: das Fleisch zäh wie Leder, äußerst schlecht pariert und dazu mit einem extrem unangenehmen aufgewärmten Geschmack. Ambitionierter zeigte sich die andere Kartenhälfte, die beispielsweise saftig gebratene Wachtelbrust mit Ingwer-Apfelkompott samt stopflebergefüllter Keule bot.
Wenn die Küche auch teils recht gute Ansätze aufweist, mangelt es doch noch zu oft an der Technik und hapert es an der Ausführung. So beim zarten Kalbsbries, das wie ein treudeutsches Schnitzel paniert und damit jeglichen Geschmacks beraubt war, oder beim übergarten Lammrücken in der Brotkruste, der dick mit Farce zugekleistert war. Die Desserts kommen derzeit nicht über Apfelküchle mit (industriell schmeckendem) Vanilleeis oder Schokomousse schwarz-weiß hinaus.
Auf der winzigen Weinkarte finden sich lediglich ein paar Flaschen vom Mittelrhein, der Service neigt mitunter zur Lethargie.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.