Die Rothen Forellen haben einen neuen Besitzer und der hat einiges verändert. Das Gourmetlokal zog endlich um und seine Gäste dürfen nun auf den Ilsenburger Teich blicken. Wie schön, wenn man im Sommer seinen Aperitif auf der Terrasse vor der Forellenstube genießen kann. Danach scheiden sich die Gäste, die meisten gehen ins gutbürgerliche Wintergarten-Restaurant, wenige in die relativ kleine Gourmetstube. Man sitzt an den drei großen runden Tischen sehr gemütlich, solange der Klavierspieler im Foyer das Forte meidet.
Schön wär’s auch, wenn die Küche verständlicher wäre. Küchenchef Axel Kammers Aal in Eihülle war eine reine Glaubensfrage: Es schmeckte zwar leicht nach Fisch, aber erkennbar waren weder Aal noch irgendeine Eihülle. Unübersehbar sind die vielen geometrischen Muster auf den Tellern und unverkennbar Kammers vermutlich unstillbare Sehnsucht nach Schäumchen, Gelees und Saucen.
Gänsemastleber, Hummer, geräucherte Brust von der Bluttaube oder das Feinste vom Milchkalb, schwarze Trüffel oder Steinpilze überzeugten durch Produktqualität und Eigengeschmack. Aber warum versetzt das Gemüse der Jahreszeit die Gäste in ein Heim für Zahnlose, die nur noch Mousse, Schäumchen oder Schlieren goutieren? Und gibt es wirklich Menschen, die stark nach Nichts schmeckende weiße Schäumchen so nötig haben wie die Luft zum Atmen?
Die Paella mit Hauskaninchenrücken, Venusmuscheln, Safran, Artischocken und Reis wurde zeremoniell in einem kleinen tiefen Teller serviert und am Tisch mit einer warmen Brühe übergossen, die eher durstlöschend als aromenstark war. Sehr gut das in Nussbutter gebratene Steinbuttfiletchen im Apfelselleriesud, auf die Rettichravioli hätte man verzichten können. Schade auch, dass die Brust der kleinen Bluttaube viel zu kurz geräuchert und ziemlich roh kam, aber immerhin in Begleitung von fünf halbierten Weintrauben und winzigen Speckkrusteln. Glatte 17 Punkt wert fanden wir das wunderbar zarte Zweierlei vom Milchkalb, Filet und Rücken mit waldfrischen Steinpilzen und feinsäuerlichen Perlzwiebeln.
Beim Dessert gelingen der Küche Kunstwerke aus Schokolade und Früchten oder Himbeere und Arabica, die auch das erhoffte Geschmackserlebnis bieten.
Dass die Forellen hier rot wurden, liegt nicht an den Preisen der imposant sortierten Weinkarte, sondern an den Heraldikwünschen hochadliger Ex-Besitzer. Der freundliche Service macht es den Gästen leichter als die Küche, der wir aus purem Mitgefühl für die Lage des Hauses das zweite Kochmützchen belassen.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.