Das Torschreiberhaus am Rand der Altstadt ist schön. Ein kleiner Vorgarten, in dem an sonnigen Abenden auch ein paar Gäste sitzen können, dahinter eine Art Knusperhaus, an dessen linker Seite ein Kubus aus edel rostendem Stahl mit einem kleinen Glasband angeheftet ist (Architekt Matthias R. Schmalohr wurde zu Recht dafür geehrt). Ausgezeichnet auch das Interieur, eine Eigenproduktion des auch sonst sehr kreativen Götz Knauer, das auch nach 15 Jahren noch – eben zeitlos – schön ist. Tadellos der sehr herzliche und aufmerksame Service, den Susanne Knauer leitet. Sie verantwortet auch die Qualität der Weinkarte, die zwar nicht übermäßig dick ist, aber mit einigen Schwergewichten von (zumeist deutschen) Trouvaillen glänzt. Die Preise für Trank und Speise sind eher bescheiden – was der Qualität der verwendeten Viktualien keinen Abbruch tut. Ein veritables US-Rib eye liegt für ganze 22,50 € auf dem Teller.
Bei Götz Knauer wird’s einem nicht langweilig, weder bei schlichten Kleinigkeiten wie knusprigen Brotchips mit tiefgründiger Speckcrème beim Amuse-bouche, noch danach bei geeistem Ziegenkäse zur gebratenen, etwas kleinen Jacobsmuschel, die mit winzigen Stückchen von Trockentomaten eine neue, frische Note bekommt, oder bei „thailändisch“ gewürzter Hummercrèmesuppe mit kleinen Garnelen und Pickled Lime.
Einfach nur ordentlich ist der Loup de mer auf einer etwas zu dicken Brotscheibe, die sowohl den Fisch als auch den Fenchelschaum gleichsam mit niedersächsischer Bräsigkeit erdrückt. Perfekt und spannend das Zusammenspiel von Aromen bei der Variation von Zicklein (Rücken, Filet, Kotelett) mit Nudelgratin unter einer Markkruste, begleitet von Estragon und den leicht säuerlichen Tönen von Tomaten. Wundervoll die Vereinigung der Gegensätze auch beim Dessert: Die beiden Sorbets von Himbeere und Bitterzitrone, dazu Weizenkaramell und Sanbitter (ein italienischer Kräuteraperitif) sind schierer Wohlklang am Ende eines bemerkenswerten Menüs.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.