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Prümer Gang

Allzu oft kommt es nicht vor, dass zwischen Geschwistern die Chemie so offensichtlich stimmt. Anja Heuser (im Service) und ihr Bruder Roger Müller (am Herd) halten unbeirrt ihren Qualitätskurs in einem Umfeld, das höheren Ehrgeiz eher entmutigt: Die meisten Ver-Heppflegungsbetriebe in dem touristischen Weinort mogeln sich mit minimalem Aufwand über die Runden. Im Prümer Gang wurde zwar mal wieder das Amuse-bouche abgeschafft, aber wir kauen vorweg sehr gute Salami und bestreichen das ordentliche Brot mit pikanter Tapenade von Trockentomaten. Und wenn wir ganz ehrlich sind, wurde der Gaumenkitzler auch bloß verschoben – nämlich ans süße Ende, wo nun ein Vordessert lockt. Vielleicht ein zartbitterer Schokoladendomino mit Passionsfruchtsorbet, der die nachfolgende, etwas schlichte Erdbeerknusperschnitte mit Karamellsahne und Karamelleis deutlich übertrifft. Obwohl eine warme Mahlzeit an Ahrweilers erster Adresse wahrlich kein Vermögen kostet, gönnt Müller dem Salat von Fenchel und grünem Spargel zum gebackenen Zander ein paar Tropfen Arganöl, das bekanntlich seinen Preis hat. Sinn für ausgefallene Aromatik beweist der in Steinheuers Heppinger Talentschmiede gestählte Küchenchef mit einem Tatar von mediterran gebeiztem Lachs, das mit einer Meerrettich/Ingwer-Mousse verschmilzt. Im nahen Laacher See werden neuerdings auch Felchen gefangen und sogar nach Köln verkauft (etwa an Jens Dannenfelds L’ Escalier). Roger Müller brät sie im Ganzen und richtet sie auf Passepierre-Gemüse an. In freundlicher Erinnerung blieben uns auch leicht krosser Wolfsbarsch aus dem Gewürzsud mit Garnelencroustillant und saftig gebratene Entenbrust mit Erdnuss/Zitrus-Kruste und Zuckerschoten, wenngleich uns beider Entourage nicht total überzeugte: Sowohl der Spinat-Risotto (immerhin von Arborio-Reis) als auch das Pinienkern-Couscous waren Weichlinge, denen der charakteristische Biss fehlte. Dass man dies nicht so tragisch nimmt, liegt auch an der hervorragenden Weinauswahl. Die Ahr in all ihrer Grandeur, die gesamtdeutsche Winzerelite, Österreichs renommierte Riede und eine Reihe anderer hochkarätiger Ausländer warten im Prümer Gang auf Liebhaber. Da die Kurse fair, die Bedienung freundlich und das moderne, aber nicht unterkühlte Ambiente einladend sind, sollte man die Schönen nicht zu lange warten lassen. Wer sich allzu intensiv mit ihnen beschäftigt, darf eventuell auf ein Nachtlager hoffen: Das im 18. Jahrhundert erbaute architektonische Kleinod ist nicht nur Restaurant, sondern auch Hotel.

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2010.