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Brasserie 1806

Das Restaurant liegt beinahe versteckt im hinteren Flügel der Beletage. Man erreicht es, nachdem man die dunkel-pompöse Bar links liegen gelassen hat. Um den Passanten die Schwellen- und Treppen-Angst zu nehmen, versucht sie das Management mittags mit Tafeln vor dem Eingang anzulocken, auf denen ein Plat du Jour für nur 19 € feilgeboten wird („inklusive einem kleinen Dessert vom Wagen“). Im Gegensatz zum baulichen Luxus von Hotelaufgang und Bar ist das Restaurant immerhin in vornehmer Schlichtheit eingerichtet, cremefarbig hell und übersichtlich, im Stil klassischer französischer Speisesäle, mit Ausblick durch die hohen Fenster auf den Heinrich-Heine-Platz.
Die Küche bietet überwiegend klassische Standards: Tournedos Rossini, Zanderfilet auf Hummerlinsen, zwei kleine Wiener Schnitzel, sautierte Jacobsmuscheln, Breidenbacher Ochsenschwanz à la Maître d’hôtel usw. Eine Spur pfiffiger schon der gut gebratene, mit Lorbeer gespickte Loup de mer auf Mango-Champagnerkraut und Rieslingsauce. Für zwei Personen gibt’s ein klassisches Chateaubriand in Nebraska-Qualität und eine in drei Gängen servierte ­Oldenburger Landente. Wer wirklich einen Hauch von Luxus sucht, muss sich an die Austern halten (Stück 3 bzw. 4 €), den Kaviar (10 g. für 40 bzw. 55 €) oder wenigstens an die Meeresfrüchteplatte, die wir leider dürftig bestückt ­bekamen. Die Desserts sind von gepflegter Langeweile.
Beflissener, aber nicht durchweg kundiger Service. Beinahe weltumspannendes Weinangebot; Deutschland ist mit vielen Spitzenwinzern vertreten. Wer ein wenig sucht, findet Flaschen schon um 30 €; für den Opus one muss man natürlich die Kreditkarte einsetzen. Erschwingliche Schoppenweine.
Als Adresse ist nach wie vor die renommierte Königsallee angegeben, aber der Eingang ist bloß auf der Theodor-Körner-Straße!

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.