Welch ein Glück, dass dies 1550 im typisch ostwestfälischen Stil erbaute Fachwerkhaus nicht wie geplant abgerissen wurde. Ein Investor, der zugleich Liebhaber der guten Küche ist, erwarb und restaurierte es prächtig. Und holte den in Ostwestfalen wohlbekannten Holger Busch in die Verantwortung für das schicke, durch lange Rotweinregale in zwei Bereiche aufgeteilte Restaurant.
Leider hat er für die reine Küchenarbeit immer weniger Zeit, da er Geschäftsführer dieses Hauses ist und zudem ein Szenelokal in der Innenstadt verantwortet. Am Herd vertritt ihn seine Lebensgefährtin Silke Bröker, die ihr Handwerk u.a. in der Alten Schenke in Versmold lernte.
Liegt es an dem weiterhin großen Gästeandrang oder an der neuen Aufgabenteilung, dass die Gerichte nicht mehr in der gleich bleibenden Perfektion kommen wie am Anfang? Das Carpaccio „Milanese“ entpuppte sich als recht langweilige und trockene Scheiben vom gebratenen Rinderfilet mit etwas Antipastisalat. Der Wildbretsülze vom Dammhirsch fehlte die Würze. Und beim Kräutersalat suchten wir die Kräuter vergeblich, fanden aber im Gemisch aus Rucola, Eichblatt, Feldsalat und Chicorée sehr wohlschmeckende Orangenvinaigrette.
Das Zanderfilet war zu kräftig und zu lange auf der Haut gebraten, doch das Lauchgemüse und die Kartoffelplätzchen gefielen uns. Recht enttäuschend der trockene, schwach gewürzte Spanferkelrücken auf angenehm knackigem Paprikagemüse. Prima die rosa gebratene Entenbrust mit köstlichem Rahmwirsing. Tadellos auch das Duo von Schokoladenkuchen und -sorbet mit deliziösem Birnensalat.
Der Service bleibt auch bei großem Andrang freundlich und aufmerksam. Das Weinangebot ist angemessen groß (über 300 Weine) und ordentlich sortiert. Nicht ganz so glücklich waren wir darüber, dass über ein Dutzend der besonders attraktiven Weine bereits ausgetrunken war. So optisch und architektonisch gelungen die Raumteilung durch Weinregale ist, so nachteilig kann es sein, wenn der bestellte Wein aus ihm kommt und die Temperatur des oft doch reichlich warmen Restaurants hat.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.