Selbst der große Parkplatz vor dem nicht weniger ausladenden Hotel reicht oft nicht, um alle Autos der Winzerhof-Gäste zu fassen. Das Haus ist bekannt für seine ländliche Küche, für Tagungen und Familienfeiern. Aber Jürgen Menges, der auch mal Harald Wohlfahrt zur Hand gehen durfte, entsagte nie der ambitionierten Küche. Früher feierte er sein kulinarisches Hochamt in „Martins guter Stube“, heute hält er es im „Angela“, dem nach der Seniorchefin benannten Gourmetrestaurant.
„Mediterran“ nennt er seine Liturgie im elegant-gutbürgerlichen Ambiente. Die Küche fährt als Ouvertüre vier gute Kleinigkeiten auf, die zusammen schon fast Vorspeisen-Charakter haben: Lachs-Sushi, mit Schafskäse gefüllten Wan Tan auf Auberginen-Salsa, Gänseleber-Praline auf karamellisierten Apfelstückchen und mit Spinat überbackene Auster. Bereits hier hat der Gast ein Déjà-mangé-Erlebnis, kommen ihm doch diese Grüße mehr oder weniger bekannt vor. Auch das Thunfisch-Carpaccio im Limonen/Wasabi-Schmand (mit störenden, weil zu scharfen Lauchröllchen) zählt wohl zu den Klassikern der Speisekarte.
Die Meerwolf-Schnitte mit gebratenem Spargel in Rotweinbutter gelingt ebenso wie das Tatar von der Ochsenlende mit getrüffeltem Rührei – ein dickes Lob für die Qualität der generös eingesetzten Trüffel. Wunderbar zart und saftig geraten ist das Lammkarree auf einem kräftig mit Safran aufgemotzten Perlgraupen-Risotto. Nebenbei: Was kann der Gast mit der bedeutend klingenden Bezeichnung „Somafer-Lammrücken“ anfangen, die ja nur auf den Lieferanten, die französische Firma Somafer aus dem Limousin, hinweist?
Dass der Safran anschließend in Form von üppig verteilten Fäden auf der „Délice von Valrhona-Schokolade“ wieder auftaucht, sollte eigentlich nicht vorkommen. Im Innern der Mousse verbirgt sich neckisch eine mit Maracuja gefüllte Schokoladenkugel, und das dazu gereichte Mango-Chutney wird von einem Eierlikör-Sabayon unterfüttert. Die Sorbets sind ohne Fehl und Tadel, schade nur, dass der Minzschaum dazu bloß in homöopathischer Dosis eingesetzt wurde. Die Küche besitzt sicher das Potential, hier und da präziser zu arbeiten, was angesichts der Preise (manche Hauptgerichte jenseits der 30-€-Marke) angemessen wäre.
Die Weinkarte empfiehlt selbstverständlich die – sehr erschwinglichen – Erzeugnisse aus dem hauseigenen Weingut, das Bruder Edwin führt. Für den Rest der Republik vertritt jeweils ein renommierter Winzer das jeweilige Anbaugebiet, und international lässt sich durchaus die eine oder andere Trouvaille finden. Ingo Reitz, der neben Monika Menges den aufmerksamen Service führt, steht mit sachkundigem Rat gern zur Verfügung.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.