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Em ahle Kohberg

Die Unlust linksrheinischer Kölner, zum Essen (und überhaupt) auf die andere, die falsche Rheinseite zu wechseln, mag historische Gründe haben. Einst stieß hier Frankreich an Preußen, und nicht nur für Konrad Adenauer begann östlich der Domtürme die Steppe (immerhin mit dem rechtsrheinischen Rhöndorf als letztem Außenposten westlicher Zivilisation).
Wer weiter solche Vorurteile pflegt, versäumt im stattlichen, bald 350 Jahre alten Fachwerkhaus am ehemaligen Merheimer Rindermarkt u.a. den günstigsten gourmettauglichen Mittagstisch der Stadt: z.B. einen von feinsäuerlichen Apfelstückchen erfrischten Crevettensalat, einen exemplarischen Lammbraten aus der Schulter, für den man kaum Zähne braucht, und ein hocharomatisches Himbeersorbet, das sich wegschleckt wie von selbst – schade, dass dies ganze 11 € teure Vergnügen so schnell vorübergeht! Aber man kann ja wiederkommen und in zünftig-rustikaler Umgebung Lothar Webers Paté de campagne mit Sauce Cumberland genießen, sein saftiges Thunfischstek auf mariniertem gelbem Paprika, seine komplette Seezunge oder seinen Hirsch auf zwei Arten (Keulenbraten in Wacholderrahm, rosa gebratener Rücken in Rotwein-Kirschsauce). Freunde kölscher Kulinarik finden für keine 10 € ein Himmel & Äd (karamellisierte Äpfel und gebratene Blutwurst auf Kartoffelpüree) deutlich über dem Durchschnitt. Die à la carte-Portionen sind generell so bemessen, dass schon ein Gang zur Sättigung genügt, und allein ausgepichte Gargantuas schaffen noch Topfenknödel oder Tiramisù – letzteres ließe freilich manch italienischen Puddingkocher vor Neid erblassen.
Kurzum, ein Gasthaus nach unserem Herzen, wo auch anständig ausgeschenkt wird: nicht nur Bier vom Fass, sondern auch klug gewählte, preiswerte Weine aus aller Welt. Die angenehm zurückhaltende Ulla Weber sorgt für umsichtigen Service und verliert selbst dann nicht die Contenance, wenn im Sommer Scharen von Durstigen in den geräumigen Biergarten drängen. Schmecklecker wie ?wir warten aber lieber auf den Winter...

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.