So ein netter Chef: Seine Küchengrüße schickt Hubert Obendorfer nicht nur vorweg, sondern auch zwischendurch und hinterher und das auch noch stets aufwendig.
Aber nun erst mal von vorne: Vor über 15 Jahren wurde im Landhotel Birkenhof die Grundlage für die heutige Küche gelegt. Zunächst bot man gehobene Hotelküche, dann trennte sich die Gourmetabteilung als Eisvogel vom klassischen Restaurant ab und nun baute der sein Nest im Stile der momentan angesagten 1970er- Jahre neu: Schwerer, dunkelbrauner Teppichboden korrespondiert mit in Braun, Beige und Grau gehaltener, dezenter Innenarchitektur, ein wunderbarer Blick ins Tal erstreckt sich auf die ehemals dort geplante Wiederaufbereitungsanlage... Und in der Mitte des Raumes landet ein in braunem Holz und Glas gehaltenes Raumschiff unter golden glänzendem Himmel, zweckentfremdet als klimatisierter Weinkeller.
Stilvoll beginnt die Küche mit aufwendigem Vorspeisen-Allerlei. Thunfischtatar auf Avocadocrème, warme Sardelle im Kartoffelchip auf Grapefruitgranité, sahnige „Saure Zipfel“ (à la Schuhbeck), Räucheraalcrème zwischen Rettichscheiben: Alles präsentiert sich stimmig und frisch, herzhaft gewürzt. Eine Entenschinkenterrine ist mit Mousse selbiger Leber und Steinpilzen gefüllt, sautierte frische Steinpilze ergänzen das runde Erscheinungsbild.
Das pochierte Bio-Ei im frittierten Kartoffelstrohmantel auf intensiv-grünem Lauchpüree führt zu einem opulenten Texturerlebnis (und erinnert an das Kartoffelkästchen von Christian Jürgens in Wernberg). Das milde Zanderfileterhält durch den knusprigen Gewürzbrotmantel, Spitzkraut und einen klaren und feinwürzigen Specksud tadellose Würze. Die abschließende Variation von der Schwarzwälder Kirschtorte erscheint weniger luftig als die Varianten der meisten Kollegen: üppige Nougatmousse, würzig eingekochte Kirschen und intensive Kirschwassersahne. Alles in allem gefiel uns der äußerst präzise Umgang mit den Viktualien am meisten.
Die Weinkarte deckt brav die international erwarteten Regionen ab. Der Service lässt bei den Gästen zu keiner Zeit den Eindruck einer Vernachlässigung aufkommen.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.