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Zur Grenze

Vorm Haus wehen die Fahnen von Baden-Württemberg und Bayern einträchtig nebeneinander. Hier verläuft exakt die Grenze, die Napoleon Bonaparte einst auf seinem Eroberungszug durch Europa ziehen ließ. Keine Bange, zwischen dem württembergischen Isny und dem bayerischen Maierhöfen versperrt kein Schlagbaum die (mittlerweile erneuerte) Straße. Wer dennoch einen Halt einlegen will, den heißen Hannelore und Georg Rainer in ihrem ansehnlichen Gasthof willkommen. Viel Arbeit investierten sie in Restaurant und Gästezimmer, nachdem sie Kempten ins Grüne verließen.
Die noble Tischkultur mit Riedel-Gläsern, französischem Tafelbesteck und silbernen Cloches nahmen sie mit, während die Küche doch die eine oder andere Konzession an das ländliche Publikum machen muss. Aber Georg Rainer schafft den Spagat zwischen gediegener Gourmetküche und zünftigem Angebot für Ausflugsgäste.
Die glacierten Wachtelbrüstchen mit Orangen/Thymian-Kompott sind von guter Qualität, was auch auf das Carpaccio vom Rinderfilet mit Kräutern und gehobeltem Parmesan in einer Olivenöl/Limonen-Vinaigrette zutrifft. Rainer liebt die sämig-sahnigen Saucen, mit Safran etwa zum Wildlachs auf Spinat mit Kartoffelbällchen. Den auf den Punkt gebratenen Lammrücken unter einer Oliven/Kräuter-Kruste begleiten Auberginenpüree, Zucchini/Paprika-Gemüse und Rosmarin-Kartoffeln. Zum Maracujaparfait passt die Erdbeer/Rhabarber-Melange – es fehlt zwar die Überraschung, aber dafür erlebt man auch keine Enttäuschung.
Sehr schön sitzt man auch auf der großen Terrasse mit Blick auf die Wiesen, die in der Abenddämmerung so manches scheue Reh anlocken. Das alles wirkt sehr entspannend, nicht zuletzt auch dank eines freundlichen Service, den Hannelore Rainer diskret organisiert.

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.