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Eickes Restaurant Palace St. George

Das Hotel in der ehemaligen Kirche mit den markanten Türmen läuft so gut wie das Veranstaltungsgeschäft, aber die Gourmets sind launisch geworden.
Wolfgang Eickes senkte sacht die Preise, kauft weniger Luxusprodukte ein und demonstriert eine neue Transparenz: Die Tür zum intim-eleganten, in Beige und Braun gehaltenen Restaurant steht weit offen (übrigens jetzt auch mittags), und die gewaltige Glaswand, die den am Hightech-Induktionsherd werkelnden Patron von seinen Gästen trennte, wurde entfernt.
Eickes möchte ein Koch zum Anfassen sein und lässt es sich auch nicht nehmen, am Tisch höchstpersönlich frische Trüffeln über das Rote Bete/Kartoffel-Püree zum irischen Lammcarré in der geschmorten Zucchini zu hobeln. So was sehen die Leute mit großen Augen – vor allem, wenn es auch noch hinreißend schmeckt.
Sein Angebot reduzierte der Grand chef freilich bis an die Schmerzgrenze: Ganze 10 Zubereitungen verteilen sich auf ein „Schmankerl“- und ein „Feinschmecker“-Menü. Das dreifache Amuse-bouche à thème blieb verschont – wir erinnern eine ganz nette, aber nicht wirklich bemerkenswerte Variation von der Ente: Schaumsuppe, Schnitzel und geräucherte Brust. Nicht erinnern können wir uns an Petits fours (oder gibt’s die nur für Kaffeetrinker?), aber die Portionen sind niederrheinisch üppig, so dass man keineswegs hungrig nach Hause geht.
Eher schwäbisch als niederrheinisch kam uns die pralle Spinatmaultasche vor, mit der Eickes seinen herzhaft-rustikalen Vorlieben frönte. Der begleitende Salat von Kalbsbacke und breiten Bohnen war ein sattes, erdverbundenes Vergnügen, aber die wie ein Irrlicht über dieser kraftvollen Komposition geisternde „Champagnerluft“ (nur ein leeres weißes Schäumchen) schien dem Nirwana der letzten Avantgarde entströmt und passte überhaupt nicht hierher. Das Süppchen von der Räuchermakrele mit Thunfisch/ Kohlrabi-Spieß schlug da schon weniger aus der Art: Wenn man den Spieß in die rauchige Brühe dippte, ergab sich so etwas wie eine geschmackliche Surprise.
Als „Schmankerl“ gilt genauso ein asiatischer Pflaumendatschi zum europäischen Kalbsfilet wie ein aromatisch perfekt ausbalancierter Mango/Ingwer-Sud zu kanadischem Wildlachs und Loup de mer auf farbigen Lasagneblättern. Zwischen der süßen Exotenfrucht und der scharfen Gewürzknolle vermittelte Sternanis mit sanftem Bitterton, die beiden Fische bestachen durch untadelige Frische und exakte Garung. Ein wunderbar duftig-fruchtiges und vorbildlich leichtes 17 Punkte-Dessert gelang Eickes mit seinem Mandel/Lavendel-Soufflé zu Kompott von Kirsche und Limone und einem schwarzen Johannisbeersorbet, in dessen dunklem Schmelz wir vor süßer Lust vergingen.
Für dionysische Gelüste (und sehr angenehmen Service) ist die ebenso freundliche wie kompetente Iwona Schuler zuständig. Aus dem neiderregenden Fundus von 650 internationalen Weinen kredenzt sie gern auch glasweise. (Das Hotel mit 12 individuellen Designerzimmer im sportiven Nordpark mit Hockey-und Fußball-Arena hat auch ein farbenfrohes Bistro.)

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.