Das neue gastronomische Glanzlicht der Südstadt leuchtet in der denkmalgeschützten, fast 6 Meter hohen Wagenhalle der ehemaligen Feuerwache gleich neben dem Comedia-Theater, das in den Gebäudekomplex integriert ist. Von der gut besuchten Bar am Eingang gelangt man durch das gemütliche Café mit seinen runden Tischen und roten Polsterstühlen in das geräumige Restaurant im modernen Brasserie-Look, dessen kühle Strenge von zahlreichen extraordinären Eye-Catchern gemildert wird. Die Rutschstangen der Feuerwehrleute sind noch ebenso vorhanden wie die originalen Wandfliesen. Gewaltige Metallröhren schimmern silbern von den Decken zweier Seitengänge, die zum Innenhofgarten führen. Und oberhalb der Küchentür geht verheißungsvoll eine riesige orangefarbene Sonne auf...
Die steht für uns symbolhaft für die ambitionierte Kulinarik, die man in solch multifunktionalem Verpflegungsbetrieb kaum erwartet hätte. Gekocht wird mit Hingabe und Phantasie, aber auch mit politisch korrekt formuliertem ökologisch-ethischem Anspruch. Den messen wir zunächst an der Qualität der Produkte, die bei Rindercarpaccio, Gänseleberterrine und Gillardeau-Austern über jeden Zweifel erhaben ist. Von Fingerspitzengefühl zeugt das zurückhaltende Himbeerdressing am knackfrischen Baby-Spinatsalat mit lauwarmem, behutsam im Filoteig gebackenem Ziegenkäse und confierten Tomaten. Zur bestens bestückten und sorgfältigst abgeschmeckten Bouillabaisse gibt’s eine perfekte Sauce Rouille und mit Comté-Käse gratinierte Kräutercrostini.
Wir erinnern uns auch gern an den in asiatischen Aromaten gedämpften Wolfsbarsch, die Kutterscholle mit „kölschem Allerlei“ und den norwegischen Acht-Kilo-Steinköhler auf weißer Bohnencrème – im Fischtopf der Wagenhalle wogen die Weltmeere! Die Vegetarier erfreut mediterraner Brotkuchen, Carnivoren eine flotte Neuinterpretation der altehrwürdigen Filetspitzen Stroganoff, die texturen- und aromenreich von Waldpilzrisotto, Schalottenmarmelade, Essiggurkenjus und Rote Bete-Schaum begleitet werden.
Clou der Comedia ist freilich der „sous vide“, also im Vakuumverfahren gegarte Bauch vom Apfelschwein, dessen geschmackvolles, fein durchwachsenes Fleisch unter einer krachend krossen Kruste erblüht. Gebratene Jacobsmuscheln und Garnelen machen diese wonnige Sauerei zum heiteren Surf’n Turf-Gericht. Dazu passen Kartoffel/Gurken-Salat und kräftige dunkle Senfjus, nicht aber ein ätherischer Gänseleberschaum, der in diesem eher deftigen Kontext bloß stört. Vor allem bei den Desserts können wir uns noch Steigerungen (und einen Kreativitätsschub) vorstellen, wenngleich die hausgefertigten Eisvergnügen nicht nur Kinderherzen erfreuen.
Die meisten der klug gewählten und kundig kommentierten Weine sind auch offen wohlfeil. Eine „Schatzkammer“ mit gereiften Gewächsen aus Deutschland, Frankreich und Italien rundet das Angebot nach oben ab. Hat man Glück, ist der Service nicht nur sehr sympathisch, sondern auch kompetent: Der prächtig mineralische Saar-Riesling von Van Volxem funkelt dann im standesgemäß größeren Glas.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.