Mehr oder weniger wild war ja schon vieles, was Bernd Bachofer so zaubert, aber heuer mussten wir erstmals bei dem einen oder anderen Gericht geschmacklich am „jungen Wilden“ zweifeln. Jacobsmuschel-Sashimi gab es schon wesentlich frischer, was wir auch vom Lachs sagen müssen, nur der Akami-Thunfisch war tadellos. Geärgert haben wir uns über die völlig lieblose Präsentation der Wasabi-Crème, ein Abstecher zu Meister Morimoto nach Tokio könnte neue Inspiration bringen, denn dort wird die Wasabi-Wurzel am Tisch kunstvoll in Turmform gerieben, das würde sicher auch schwäbischen Gourmets gefallen.
Gut danach der gelackte Dorsch auf Lauchtapioka, ob man allerdings „Parmesan-Luft“ ohne Parmesangeschmack dazu braucht, wissen wir nicht. Gefällig das Teriyaki vom Nebraska-Rinderfilet mit delikaten Gamba auf geschmorten Radieschen und erneuter Wasabi-Crème – Harmonie in bester Surf’n Turf-Manier. Gleichgutes Miteinander können wir auch vom Juvenilferkel mit Rahmlinsen, Spitzkohlgemüse und Kartoffel/Quark-Soufflé behaupten, aber mitnichten vom karamellisierten Curry-Salm auf Avocado/Erbsen-Püree mit Caipirinha-Schaum und Taboulé-Strudel – uff! Der „Caipi“ ist sehr sauer und auf völlige Disharmonie mit der Frucht eingestellt und der Salm hätte mehr Frische statt Karamell gebraucht. Als Dessert gefällt die „Havanna Hommage“ mit Variationen von Schokolade, Tabak, Limette und Minze genauso wie das „Sommer-Finale“ mit der Kombination von Melone, Sherry, Kaffir und Ingwer.
Der Service ist freundlich und sollte die Gerichte mal probieren. Vielleicht fällt die Ansage der komplizierten Kompositionen nicht mehr so schwer und wirkt nicht so teilnahmslos auswendiggelernt. Die Weinkarte ist und bleibt klein, die Schubert-Kreszenzen aus Neuseeland (ein ehemaliger Waiblinger) sind jedes Versucherle wert.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.