Stellt Ali Güngörmüs heimlich Tische dazu, oder werden nur die Gespräche lauter? Es herrscht eine fast kneipenhaft muntere Stimmung im halbrunden Saal mit Elbblick. Die schnörkellos lichte Architektur von Meinhard von Gerkan mag Anteil daran haben, ebenso wie der unverkrampfte Service und der liebenswürdige Patron, der es sich selten nehmen lässt, die Gäste zu begrüßen. Aber vor allem die Küche selbst macht gute Laune.
Güngörmüs jongliert mit vielen Bällen, ohne dass man die Anspannung spürt. Den Hummer servierte er uns als prallsaftige Krapfen im Kokosmantel, mit roh mariniertem Kingfish, Shii Take-Pilzen, Avocado, Kresse, Cashewkernen und, als ob das nicht genügte, auch noch Wasabicrème. So etwas trauen sich sonst ja vor allem Köche in der neuen Welt. Aber alles passte, und am besten war, wie so oft hier, das Gemüse.
Inmitten der gerade tonangebenden Technikbesessenen kommt diese Küche fast urwüchsig daher. Da hat sie mal ein austariertes Gericht wie die Tomatenessenz mit Ziegenkäse-Feigenbörek beisammen, da wird aus reinem Übermut auch noch Steinpilz hineingeschnitten – nur weil die Saison gerade beginnt. Und das so genau dosiert, dass es wirklich besser schmeckte.
So etwas lässt sich wohl nicht endlos steigern. Den ganz großen Wurf zum Hauptgericht lässt Güngörmüs manchmal vermissen. Das gratinierte Milchkalbskotelett etwa kam kaum gegen die Übermacht von Kichererbsen, Auberginen, Orange, wieder Ziegenkäse und einer mit Pesto gefüllten Tomate an. Schade um das gut eingekaufte, behutsam gegarte Fleisch. Versöhnt hat uns die wirklich variantenreiche Variation vom weißen Pfirsich, vor allem die köstliche Praline mit Engelshaar.
Die Weinauswahl ist etwas zahmer als die Küche, hält ihr aber mühelos stand. Der freundliche Sommelier beriet uns treffsicher und wortreich. Nur seine Wahl eines pappsüßen Muskat zum gegrillten Heilbutt mit Pancetta blieb ein Rätsel.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.