Gemischte Gefühle beim gemischten Konzept: Hier will man die Schoppenschlotzer ebenso zufrieden stellen wie die anspruchsvollere Klientel. Warum auch nicht, Juniorchef Alexander Wiesenegg holte sich schließlich das Rüstzeug dazu u.a. bei Heinz Winkler und Alfons Schuhbeck. Doch leider hat er keine Brigade wie Stars, sondern muss sich mit der Mannschaft vor Ort begnügen. Die brilliert auch sicherlich mit Küfertoast, Leberkäs oder blauen Zipfeln, tut sich aber bei noch größeren Delikatessen mitunter schwer.
Die Rotbarbe kam innen saftig, aber an den Rändern schon angekokelt, das beigegebene Rucolabüschel hatte dicke und harte Stiele, die Peperonata dagegen war gut gewürzt und dezent geschärft. Zur Blumenkohlsuppe, aromatisch auf der Basis von guter Brühe und Sahne, lag auf dem Teller – als müsse sich die Küche sich bei jedem Gericht einen Ausrutscher leisten – ein völlig überflüssiges Stück Blätterteig, gefüllt mit einer seltsam gewürzten Lachscrème. Technische Probleme auch bei der recht banalen gefüllten Brust vom Landhuhn, die arg trocken geraten war. Würde die Küche sorgsamer und überlegter arbeiten, gäben wir gern wieder ein Kochmützchen.
Der Service ist meist flink und freundlich, verfällt aber hin und wieder in eine „Kollege kommt gleich!“-Mentalität. Die Weinkarte listet alles, was das Bürgerspital zu bieten hat, doch für eine Art Gutsausschank ist die Auswahl an Offenen arg knickrig.
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.