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Ente

Nicht gerade als einen Ausbund an Kreativität, aber immerhin als gelungen empfanden wir roh marinierte Jacobsmuscheln, die zusammen mit hellem Radicchio, Sauerrahmcrème und getrockneten, in kleine Stücke gebrochenen Weißbrotscheiben arrangiert waren, wobei das knusprige Brot für einen interessanten Kontrast sorgte. Wo besondere Originalität aufblitzt, kann es sein, dass die Idee von jemand anderem stammt. Die Calamaretti auf Car­bonara-Art etwa haben wir schon vor einiger Zeit bei Jean-François Piège in Paris besser ­bekommen.
Manches Mahl fehlen Sorgfalt und Feingefühl. So bestand ein Kalbskopfcarpaccio vorwiegend aus Glibber, wurde dafür aber recht originell von einer Sauce Béarnaise begleitet, die als gebackene, mit flüssiger Sauce gefüllte Würfel auf dem Teller lag. Leider war das Ganze nicht komplett zu Ende gedacht, denn es gab auch noch knackige Flusskrebse dazu, deren zartes Aroma gegen die kräftigen Röst- und Estra­gonnoten der gebackenen Sauce keine Chance hatte.
Ebenso undurchdacht war es, in einem Menü in zwei aufeinander folgenden Gängen Kartoffelpüree zu servieren – sowohl zur Scholle ­Finkenwerder Art als auch zum Kalbsfilet, das immerhin von bester Qualität und perfekt gegart war.
Der Pâtisserie gelingt es immerhin, den Trend zu Gemüse im Dessert sinnvoll zu nutzen: süß und vanillig eingelegte, winzige gelbe Tomaten zur guten weißen Schokomousse mit Knusperblättern und Gin-Tonic-Eis waren ebenso originell wie passend.
Wir kommen ins Grübeln, warum eine Ente so gern Achterbahn fährt. Und wir bedauern ihren Weg ins Seichte, seit sie Sojakaviar als Kaviar auf die Silvesterkarte schrieb. Doch Freunde des Hauses und seines Inhabers muss unsere Schwarzmalerei nicht im Mindesten schrecken. Denn für sie „zaubert das Küchenteam“, wie wir von einem Herrn von Welt erfahren durften, „naturbelassene Köstlichkeiten aus dem Meer und von ausgewählten Landhöfen“. Warum bloß kriegen wir so etwas nicht mit...
Die legendäre Weinkarte der Ente rühmen wir schon seit Dezennien. Die Auswahl ist nach wie vor phantastisch, die Preise sind es leider allzu oft auch, was vor allem für die glasweise Begleitung zum Menü gilt. Der Service ist flink und freundlich, verkehrt aber mit Stammgästen häufig so jovial, wie es nicht mehr zum bislang üblichen diskreten Stil eines Hauses passt, das zur „Selektion deutscher Luxushotels“ zählt.

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.