Das populäre Bistro im gediegenen Plittersdorf am Rande von Bad Godesberg ist die kulinarische Vorsehung der Eingeborenen – zu Kamijo oder zu Halbedel geht man schließlich nicht jeden Tag. Zivile Preise und unkomplizierte Speisen traditionell französischer Observanz sorgen mittags wie abends für ein volles Haus. Die intime Terrasse hat bei schönem Wetter Charme, und nur Design-Freaks, die sich ohnehin selten hierher verirren, fühlen sich im ästhetisch anspruchslosen Inneren nicht wohl. Papierservietten und die (aus einem dicht bedruckten Blatt bestehende) Karte als Tischdeckenersatz zählen zur Folklore. Und wer den letzten freien Platz erwischt, wird über ein wackliges Stühlchen nicht meckern.
Nichts zu mosern gibt’s normalerweise auch über die Ikonen der Küche: Die Gänseleber-Wachtel auf Linsen, die (ganze) Kalbsniere in Meaux-Senfsauce, die geschmorte Lammschulter, die Rinderfiletscheiben „Louis d’or“, der Safranrisotto mit Scampi oder die im wahrsten Sinne des Wortes pfundige Seezunge „Meunière“ sind bei Mike Schaarschmidt eine sichere Bank.
Das beliebte Lunchmenü bietet etwa mit einem olivenöl- und zitronenwürzigen Meeresfrüchtesalat, einem Schweinsfilet in Pfeffersauce und einem Apfel/Mandel-Kuchen soliden Gegenwert fürs Geld (14,50 €).
Abendgäste können sich in 4 oder 5 Gängen überraschen lassen. Damit es aber keine unangenehmen Überraschungen werden, sollte der in Ehren ergraute Patron (der auch ein Catering betreibt und sich im Restaurant vor allem um den Service kümmert) seinen Herdmenschen strenger auf die Finger gucken.
Die klare Fischsuppe, bisher stets ein Glanzlicht, bekamen wir allzu dürftig bestückt, und das außen kaum krosse, innen eher weiche als zarte Kalbsbries hatten wir sehr viel delikater in Erinnerung. Eine schwache Morchelsauce, die nur wenig nach dem Edelpilz schmeckte, bestärkte uns darin, Schaarschmidts Toque gebührend abzumagern.
Wer darob Trost sucht, findet ihn (auf Anfrage) in einer beachtlichen Cognac- und Armagnacauswahl ebenso wie in der gastfreundlichen Weinkultur. Mit korrekten Flaschen um die 20 € lässt sich’s leben – zumal selbst Schoppentrinkern keine Massenware zugemutet wird. Deshalb gilt trotz unserer pflichtgemäßen Monita: Gut, dass Bonn so ein Bistro hat!
Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.