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Romer

Weltläufiger Schick vor historischer Kulisse – das Designhotel punktet mit seiner gelungenen Symbiose aus altem Gemäuer, lichtem Glas und puristischer Eleganz. Gleichwohl wohnt der neuen Sachlichkeit auch eine strenge Kühle inne, die den Gast an schönen Tagen vielleicht lieber im Innenhof als im funktionalen Bistro-Ambiente des Restaurants sitzen lässt – sofern er die Chefin motivieren kann, einen Tisch unter den breiten Schirmen einzudecken. Wer damit wirbt, dass „Restaurant und sonniger Innenhof … ideale Treffpunkte zum Plaudern, Entspannen und Genießen“ sind, sollte mit entsprechenden Gästen rechnen.
Die wiederum sollten bei Lektüre der polyglott um den Erdball führenden, umfangreichen Speisekarte keine weltgewandte Küche erwarten. Denn sie dürfen mit jener Art Hotelgastronomie vorliebnehmen, die durch Senfeis zum Carpaccio vom Texasrind mit Rucolasalat beeindrucken will. Immerhin gelingen ihr gebeizter Lachs mit Avocado/Apfel-Salat oder Loup de mer mit geschmorten Tomaten.
Überkandidelt hingegen das Entrecôte vom bayerischen Rind auf einem Ragout von geschmorten Artischockenböden mit (etwas klebrigem) Kartoffelgratin und zwei (!) Saucen: reduzierte süßliche Soße und Rotwein/Schalotten-Butter. Wie Pflichtübungen ohne jede Freude an der Kür kamen Desserts wie die Trilogie von Sauerkirsche und belgischer Schokolade, die „Symphonie von Rhabarber (Kuchen, Parfait) mit Litschi“ (Eis) oder die Schokoladenravioli (ihre Schoko-Sauce schmeckte wie konfektioniert) mit Ananasragout und Kokossorbet.
Die Weinkarte versammelt das Beste aus deutschen Landen, darunter etliche Große Gewächse. Auch die offenen Weine versprechen Hochgenuss. Ach ja, der Service kann auch sehr nett sein, wenn man endlich einen Tisch im Innenhof erkämpft hat.

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.