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Schloss Solitude

Irgendwie kommt das Restaurant nicht recht vom Fleck. Als stimmungsvolle Stätte für Hochzeiten (oft drei am Tag) oder Firmenveranstaltungen taugt es allemal, was vor allem an der wunderbaren Aussicht und dem prachtvollen Kristallsaal liegt. Von den per Presse und Homepage lauthals verkündeten gastronomischen Ambitionen ist aber bislang nicht viel zu bemerken (was ja auch niemanden verwundert, der auf der Homepage die Speisekarte der letzten Saison findet). Das ist umso bedauerlicher, als die Location an sich die ganz große Bühne hergeben würde.
Klar, das Pfifferlings-Orsotto alias Graupen-„Risotto“ mit Kartoffel-Blattsalat (leider nicht besser als bei der kleinen Schwester in Möhringen) oder der bunte Zupfsalat mit Maultaschen sind ordentlich gemacht, aber eben auch nicht mehr. Das Ochsenschwanzragout hat die gleiche Qualität wie in Möhringen und die Beilagen sind mit Lembergersößle und Spätzle exakt so wie dort – zu wenig für höhere Weihen. Die strebt man hier offenbar auch gar nicht an, wenn sowohl Rostbraten als auch Medaillon vom Dammhirsch (mit sautierten Rosenkohlblättern und Handspätzle) nicht wie angekündigt rosa an den Tisch kommen, sondern well-done. Oder wenn Steinbutt trocken und völlig uninspiriert mit wenig gewürztem Kartoffel/Lauch-Gratin serviert wird.
Begnügen Sie sich also mit beständigen Klassiken wie Maultaschen, Schnitzel oder Zitronenschnitte mit Himbeeren und Mascarponeeis, da kann die Küche nichts falsch machen und Sie können ohne Verdruss die Aussicht genießen.
Die Weinkarte bleibt schwäbisch-langweilig, warum es dann Champagner braucht, versteht wahrscheinlich nur der Chef.
Ach ja, bei den Desserts gelingt auch Ziegenkäse/Honig-Eis mit Pfeffer-Karamellsauce.

Restaurantbewertung aus GAULT MILLAU Deutschland 2011.