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Deutschlands Grands Crus

Bei »Grand Crus« (wörtlich: Großes Gewächs) denkt man sogleich an Frankreich und die großen Weine des Burgund, des Elsass oder des Bordelais. Doch auch in Deutschland wurde eine vergleichbare Klassifizierung auf die Beine gestellt.

Deutschlands Grands Crus

Am Anfang waren die Prädikatsbezeichnungen: Basierend auf dem Zuckergehalt der Trauben (Öchslegrad) signalisierten Spät- und Auslesen, dass es sich um Weine von gehobener Qualität handelt. Bis in die frühen 1980er-Jahre schmeckten diese Prädikatsweine fast immer süß, weil es für höherwertige trockene Weine aus Deutschland kaum einen Markt gab. Fachleute schätzten deren Potenzial auf maximal fünf Prozent – welch ein Irrtum, wie man heute weiß!

Plötzlich war trockener Wein gefragt

Mit dem »Deutschen Küchenwunder« veränderte sich dann schlagartig die Nachfrage nach guten trockenen Weinen. Und nach dem Glykolskandal 1985 waren süße Weine hierzulande kaum mehr zu verkaufen. Winzer, die ein anspruchsvolles Sortiment trockener Weine anzubieten hatten, waren nun gefragt. Um die Höherwertigkeit auf dem
Etikett zu dokumentieren, fügten viele den mehr oder weniger durchgegorenen Spät- und Auslesen nun das Attribut »trocken« hinzu. Dass man damit alle verwirrte, die bislang mit den Prädikaten süß schmeckende Weine verbanden, nahm man in Kauf. Auch heute noch kann man bei vielen Winzern zwischen trockenen, halbtrockenen und süßen Spät- und Auslesen wählen.

Classic und Selection

Klarheit sollte ab dem Jahr 2001 die Einführung von »Selection« als Bezeichnung für trockene Spitzenweine bringen. Eine Etage tiefer sollte der »Classic« als Wein für alle Tage in der feinherben Geschmacksrichtung etabliert werden. Für jede Weinbauregion wurde eine Liste mit erlaubten Rebsorten erstellt, und zudem wurden strenge Erzeugungsrichtlinien festgelegt. Zum ersten Mal hatte es der Gesetzgeber geschafft, neue Regelungen auch mit echten Qualitätsparametern zu hinterlegen. Doch heute muss man konstatieren: Weder Selection noch Classic haben eine große Zukunft vor sich. Viele Winzer, darunter auch die Trend setzenden Spitzenbetriebe, nutzen die Begriffe nicht mehr.

Das »Große Gewächs«

Der Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) ging einen eigenen Weg und führte für seine besten Weinberge die Bezeichnung »Erste Lage« ein – die trockenen Spitzenweine von diesen dürfen sich »Große Gewächse« nennen (im Rheingau Erste Gewächse). Der Höchstertrag liegt bei 50 hl/ha, die Weinberge müssen per selektiver Handlese abgeerntet werden, das Mostgewicht muss mindestens dem einer Spätlese
entsprechen, und die Weine dürfen erst ab dem 1. September des Folgejahres
verkauft werden – Rotweine noch ein Jahr später. Auf dem Etikett ist die
Bezeichnung noch nicht erlaubt, weswegen die Güter die Flaschen nun mit dem
Zusatz »GG« kennzeichnen. Damit rückte die Qualität der Weinbergslagen wieder
in den Mittelpunkt. Zweifelte mancher zu Anfang daran, ob das »Große Gewächs« nicht bloß Marketing sei, um höherpreisige Weine zu verkaufen, so hat sich mittlerweile gezeigt, dass diese Kennzeichnung bei vielen Betrieben tatsächlich große Qualitätssteigerungen zur Folge hatte.

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