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Die zarte Hand im Weinberg

Sie brechen mit Sinnlichkeit, Kreativität und Wagemut in die Männerdomäne: Immer mehr Winzerinnen begeistern mit fantastischen Weinen.
Von Hans Schloemer

Die zarte Hand im Weinberg

Silvia Heinrich: Die Burgenländerin sorgt mit sensiblem Gaumen und sicherem Gespür für Aufsehen

Der Wecker klingelt vor sechs, es ist noch dunkel in der Champagne. Die Hühner wollen gefüttert werden. Danach geht es mit dem Hund auf die Runde durch die Weinberge. Manchmal zeigt sich ein Hase, und wenn Madame die Flinte mit sich trägt, hat das Langohr Pech gehabt. Carol Duval-Leroy ist gleichermaßen passionierte Jägerin wie begnadete Köchin, mit der Folge, dass ihre frühmorgendliche Beute zur Pastete mutiert. An diesem Tag ist keine Zeit für die Jagd. Noch bevor die ersten Sonnenstrahlen die nachtkalten Beeren wärmen, ist Madame bei ihren Leuten. Carol Duval-Leroy ist die Inhaberin eines der renommiertesten Champagnerhäuser der Welt. Was bedeutet, dass sie 120 Menschen in Brot hält. Nach dem frühen Tod ihres Mannes im Jahr 1991 führt sie das über 150 Jahre alte und 200 Hektar große Weingut südlich von Reims allein. Zwar kennt die Geschichte der Champagne einige Frauen, die an der Spitze eines Champagnerhauses standen, aber eine solche Position gilt auch heute noch als Ausnahme. „Wer genug Willenskraft hat, erreicht auch sein Ziel“, sagt Carol Duval-Leroy. Selbst in der Männerdomäne des Weinmachens.

Wenn das Leben plötzlich prickelt

An diesem Tag geht es für sie wieder mal um alles. Die Mühsal eines Jahres kulminiert in den wenigen Stunden der Lese. Es ist, als ob das Leben plötzlich prickelt. Die Pflücker kommen teils von weit her, der Verdienst ist bescheiden, und die Rückenschmerzen sind grandios, aber man kann später erzählen, dass man seinen kleinen Teil zum Gelingen des neuen Jahrgangs beigetragen hat. Und Carol Duval-Leroy ist immer mittendrin, lässt es sich auch nicht nehmen, in der Kantine mit Hand anzulegen. Zum deftigen Essen für die verschwitzten Arbeiter fließt dann der edle Champagner des Hauses, und wer glaubt, das wären nun aber doch Perlen vor die Säue, sollte das vor Madame nicht laut sagen. Eine Pastete ist schnell gemacht.

Schweinkram im Weinberg

Saulecker – das hört Regina Menger- Krug jetzt oft, wenn Fachkritiker ihre Weine beurteilen. Kein Wunder, wenn man gleich zwei Borstenviecher auf die Weinberge loslässt. Die schweinischen Helfer aus der Rasse der Bentheimer düngen die Hänge des Weinguts Krug’scher Hof im pfälzischen Deidesheim mit ihren Ausscheidungen, sie lockern mit ihren Rüsseln das Erdreich auf und fressen die liegen gebliebenen Trauben – mit der Folge, dass weniger Pilzerreger den Rebstöcken schaden können. Die Grande Dame deutscher Wein- und Sektkultur, die öfter barfuß durch den Weinberg läuft, um den Boden besser zu spüren, hat’s mit dem Natürlichen: „Nur wenn die Rebe in einem gesunden Umfeld wächst, lassen sich daraus die Weine erzeugen, die dem Menschen und seiner Gesundheit zuträglich sind.“ Bei den Menger-Krugs sucht man deshalb vergebens nach Insektiziden oder Herbiziden. Stattdessen sorgen Feldsalat und Rosen für gesunde Böden. Dazu stärken über 100 Kräuter das Biosystem im Weingarten. „Die weibliche Intuition ist das Stärkste überhaupt. Erst recht beim Wein!“, sagt Regina Menger-Krug, und wer ihren Riesling „Dem Himmel so nah“ kostet, glaubt zu schmecken, was sie damit meint. Als Wiege für einen großen Wein nutzt Regina Menger-Krug sogar Mondholz: „Die Idee, dass Holz besondere Eigenschaften hat, wenn es bei einer bestimmten Mondphase geschlagen wird, ist nicht von mir. Schon Stradivari baute seine Geigen aus Mondholz.“ In der Tat zeichnen sich ihre Mondeichen-Weine durch eine ebenso sinnliche wie profunde Körperlichkeit aus.

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