Neues aus der Werkstatt: Das grüne Gold

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

„Italien ist zu Pfingsten offen!“, damit überraschte der italienische Regierungschef Mario Draghi selbst seine eigenen Landsleute.

Und bevor der große Reise-Strom, vor allem aus dem Norden Europas, den Stiefel Richtung „dolce vita“ nun schon bald wieder fluten wird, ist dies vielleicht ein guter Moment, mal darüber nachzudenken, was denn die italienische Lebensart so anziehend für uns macht.

Natürlich ist da die Schönheit des Landes mit seinen immer wieder beeindruckenden Kulturschätzen, mit den quicklebendigen Dörfern und Innenstadtplätzen. Sehr wahrscheinlich auch deshalb so wohltuend lebendig, weil man dort noch heute unter einem Espresso keinen zeiteffizienten Coffee-to-Go versteht, sondern ein Mittel zum Zweck für Gespräche mit Freunden und Fremden.

Auch kulinarisch scheint das durch mehrere Gänge scheinbar unabsichtlich in die Länge gezogene Miteinander am Tisch unserer Seele gut zu tun. Und auch der Austausch darüber, woher die köstlichen Produkte kommen, die wir zusammen genießen, sowie die guten Ratschläge für deren optimale Zubereitung bereichern uns im schönsten Sinne des Wortes.

Kulinarisch unterscheidet sich der Norden Europas ja mit seiner speziellen Brot-und-Butter-Kultur mit den Getreide-„Derivaten“ Bier, Korn und Whisky signifikant von den vornehmlich vom Olivenöl geprägten Essgewohnheiten des Mittelmeerraumes.

Und genau diesem grünen Gold, dem Olivenöl, sind wir für das nächste Gault&Millau-Magazin auf der Spur. Mit so überraschenden wie schlüssigen Erkenntnissen über die besten Einsatzbereiche bei salzigen bis süßen Speisen sowie bei rohen bis hin zu gekochten Gerichten.

Dabei gibt unsere hochkarätig besetzte Experten-Runde praxisnahe Tipps. Einerseits natürlich aus der Küche. Wir beantworten aber auch, warum diese Kreationen ganz bestimmte Weine fordern, die wie die herausragenden Öle selbst unterschiedlicher nicht sein können. Aus der Champagne, von der Mosel und der Costa d’Amalfi, aus dem Piemont und von der Rhône, aus dem Sauternes und den Côtes Catalanes feiern ganz persönliche Empfehlungen unserer Sommeliers das Gault&Millau-Credo: Der größte Genuss ist die Freude an der Vielfalt!

So viel sei vorab schon verraten: Grundsätzlich halten wir es bei unseren Olivenöl-Empfehlungen mit der köstlichen wie klugen Hausfrauenküche Italiens, nach der das „gute“ Öl seinen festen Platz auf dem Esstisch hat und das hitzebeständige, raffinierte Öl neben oder unter dem Herd steht. So relativieren sich durch wohl dosierten Einsatz als „Finish“ auch sicherlich die durchaus angemessenen Preise unserer Favoriten. Denn ebenfalls sicher ist: es ist nicht alles Gold, was in den Discounter-Regalen glänzt!

Herzlich grüßt Sie,

Otto Geisel
Leiter des Gault&Millau Expertenrats


Unsere Expertenrunde für den Gault & Millau-Olivenöl-Test 2021:

Frank Glüer (Ess.Zimmer) & Jochen Benz (Atelier) – Sommeliers in München

Anna Matscher (Zum Löwen, Tisens), Flora Hohmann (Paradeis, Margreid), Herbert Hintner (Zur Rose, Eppan), Manuel Astuto (Orangerie im Manna-Resort, Montan) & Jan Hartwig (Atelier, München) – Küchenchefs

Foto: unsplash @john_cameron

Ähnliche Artikel

Gewürze für die Seele

Gewürze für die Seele

Schauen Sie einmal in Ihr Gewürzregal. Finden Sie dort auch das Tonkabohnen-Orangensalz, das Sie unbedingt probieren wollten? Oder das in seiner Aromatik zweifelhafte Safran …