Die Rebhölzer kommen

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Die Gault&Millau Hall of Fame 2022: Weingut Ökonomierat Rebholz

In unserem aktuellen Buch „Die besten Weine Deutschlands 2022“ haben wir erstmals in der langen Geschichte unserer Wein-Guides Deutschland zehn Weingüter mit der absoluten Höchstbewertung von fünf roten Trauben ausgezeichnet. Diese Winzer und ihre Erfolgsgeschichten möchten wir Ihnen in unserem Newsletter vorstellen. Heute geben wir Ihnen einen Einblick in das Weingut Ökonomierat Rebholz in Siebeldingen in der Südpfalz.

Lange bevor Terroir in Deutschland ein Modewort wurde, hat man hier bereits lokale Besonderheiten herausgearbeitet – und tut dies bis heute. Bereits ab Mitte der 1940er Jahre prägte Ökonomierat Rebholz, nach dem der Betrieb bis heute benannt ist, einen Stil, für den das Weingut weit über die Südpfalz hinaus bekannt wurde: naturbelassene, elegante Weine, deren Charakteristik vor allem durch die stark unterschiedlichen Bodenbeschaffenheiten in den Hügeln rund um Siebeldingen beeinflusst wird.

Auf 25 Hektar bauen die Rebhölzer, wie sich die fünfköpfige Familie um Hansjörg und Birgit Rebholz selbst nennt, hauptsächlich Riesling und Burgundersorten an, davon die Hälfte Spätburgunder, die andere Hälfte Weiß- und Grauburgunder, außerdem kleine Anteile Chardonnay, Sauvignon und Gewürztraminer. Die kleinteilige Parzellierung und die Vielfalt der Rebsorten sind typisch für die Südpfalz. Landschaft, Tradition, Kultur und Dialekt sind dem nahen Elsass ziemlich ähnlich.

30 Weine produziert Familie Rebholz, alle werden nach Kriterien der Biodynamie und akribisch nach Lagen getrennt ausgebaut. Auch schwer verkäufliche Rebsorten wie Gewürztraminer werden nicht abgestoßen und durch populärere Gewächse wie Sauvignon ersetzt, weil Gewürztraminer eben zur Region gehört. Die Grundidee des Ökonomierats soll fortgeführt werden: ortstypische Weine produzieren, ausschließlich mit dem, was der Boden vorgibt. Das scheint bestens zu funktionieren, zumal es gut in die Zeit passt. Die Nachfrage nach authentischen, regionalen Bio-Produkten ist in den letzten Jahren stark gestiegen, und qualitätsbewusste Genießer sind bereit, dafür auch hohe Preise zu bezahlen. Einen Silvaner-Gutswein kann man bei Rebholz schon ab 9,90 Euro kaufen, aber ein Drittel des Sortiments sind Große Gewächse mit Flaschenpreisen ab 48 Euro.

Weinbau ist nach wie vor Familiensache im südpfälzischen Weingut: Hansjörg Rebholz‘ Frau Birgit kommt aus einer Familie, die nebenerwerblich Weinbau betrieb. Birgit war 1989 Pfälzer Weinkönigin und 1990 die erste gesamtdeutsche Weinkönigin, ein Amt, das sie eine Zeit lang von beanspruchte. Auch als anschließend die Kinder kamen, gingen Privatleben und Weinbau immer Hand in Hand. „Es war früher während der Erntezeit immer ein Kampf, die Kinder abends ins Bett zu bringen“, erzählt Birgit Rebholz, „sie wollten lieber mithelfen als schlafen.“ „Das stimmt“, bestätigt Hans Rebholz, »die Weinlese war spannender als das Lesen in der Schule.“

Die Zwillinge Hans und Valentin lernten schon als Kinder Traktor fahren, Tochter Helene half früh im Büro und beim Verkauf mit. Vater Hansjörg übertrug den Jungen bald eigene Weinberge mit Spätburgunder-Reben als Experimentierfeld. Seit 2016 haben sie nach und nach weitere Verantwortungsbereiche im Betrieb übernommen. Helene geht in eine andere Richtung, sie studiert Mathematik und Biologie. Mittlerweile sind die Zwillinge mehr oder weniger selbst verantwortlich für die Weinproduktion, die Eltern kümmern sich um Verkauf und Vermarktung.

Ihr erstes ganz eigenes Projekt wurde im vergangenen September dem Markt zugänglich gemacht: ein neues Großes Gewächs. Der Riesling vom Burrweiler Schäwer wächst auf einem reinen Schieferboden – ein Umstand, der besonders in Hinblick auf dessen Lage in der Südpfalz als absolute Rarität gewertet werden kann. 2021 wurden nun zum zweiten Mal Beeren dieser Lage gelesen, die neben dem GG auch zu einem Burrweiler Ortswein vinifiziert werden.

Bei Generationswechseln ist es normal, dass es auch mal knirscht und kracht, aber die Familie Rebholz wirkt aufrichtig einträchtig. „Ich hatte nie das Gefühl, wir müssen rebellieren, weil es sowieso schon genau so läuft, wie man es machen sollte“, sagt Hans. Die Idee seines Urgroßvaters, „naturreinen Wein“ zu produzieren, der nicht künstlich gesüßt oder sonst irgendwie aromatisiert wird, war eben schon vor 80 Jahren ein sehr moderner Gedanke.

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