„Weinmachen ist ein Stück flüssige Familiengeschichte“

Die Gault&Millau Hall of Fame 2022: Weingut Klaus Peter Keller

Liebe Leserin, lieber Leser,

in unserem aktuellen Buch „Die besten Weine Deutschlands 2022“ haben wir erstmals in der langen Geschichte unserer Wein-Guides Deutschland zehn Weingüter mit der absoluten Höchstbewertung von fünf roten Trauben ausgezeichnet. Diese Winzer und ihre Erfolgsgeschichten möchten wir Ihnen in unserem Newsletter vorstellen. Heute geben wir Ihnen einen Einblick in das Weingut Klaus Peter Keller im rheinhessischen Flörsheim-Dalsheim im Wonnegau.

Der perfekte Zeitpunkt und die sorgfältige Selektion sind die Grundlage für einzigartige Weine. Die Kellers spielen in den drei Bereichen Weiß, Rot, Edelsüß in der absoluten Weltklasse mit. So begehrt sind die Flaschen mit den altmodischen Frakturschrift-Etiketten, dass nur die wenigsten Weinliebhaber in ihren Genuss kommen. Besonders der sagenumwobene G-Max lässt den Puls von Weinfans nach oben schießen, Sammler rund um den Globus berappen Höchstpreise für eine einzige Flasche.

Trotz der schwindelerregenden Preise, der vielen Auszeichnungen und der Hymnen in internationalen Weinfachmagazinen wirkt die Winzerfamilie Keller absolut bodenständig. Als Klaus Peter im Jahr 2000 ins Weingut seines Vaters Klaus einstieg, liebäugelte er mit dem Kirchspiel, einer Lage, die viele für unrentabel hielten. Mittlerweile gilt sie als Vorzeige-Lage für die Bedeutung rheinhessischer Rieslinge, auch weil sich die klimatischen Bedingungen so verändert haben, dass die Riesling-Trauben dort länger reifen können.

„Ich empfinde Demut und Ehrfurcht vor der Natur, wenn ich in einem Weinberg stehe, der vor 100 Jahren angelegt wurde“, sagt Klaus Peter Keller, 47. „Es wird vieles unwichtig, wenn man im Rebberg steht und körperlich arbeitet.“ Ideen und Strategien für die Zukunft entstehen oft bei der gemeinsamen Arbeit draußen in der Natur. Die ganze Familie ist fachlich mit eingebunden. Ehefrau Julia, 44, stammt aus einer Winzerfamilie in Westhofen, die Söhne Maximilian, 21, und Felix, 23, wollen auch in die Weinbranche; Felix studiert in Geisenheim und produziert bereits Sekt. Das Weingut selbst wurde 1789 gegründet. „Das Schöne am Weinmachen ist, dass es ein Stück flüssige Familiengeschichte ist“, sagt Julia Keller.

Der G-Max etwa ist nach Opa Georg und Sohn Maximilian benannt, und der Hipping Riesling Großes Gewächs erzählt von Queen Elizabeth II. Ja, im Buckingham Palace werden auch Keller-Weine ausgeschenkt. Auch den „Babywein“ für die Thronfolger George, Charlotte und Louis bestellten William und Kate in Dalsheim: einen Kabinett von Keller.

Die Großen Gewächse kann man problemlos mehrere Jahrzehnte liegen lassen, edelsüße Weine noch länger. „Das ist wie eine Familienbibliothek“, sagt Klaus Peter. „Wenn man so eine Flasche öffnet, schmeckt man nicht nur den Jahrgang, sondern auch die Lebensumstände der Winzer. Auch die Corona-Pandemie wird eine Auswirkung auf den Wein haben.“

Apropos Familientradition: In diesem Jahr feiern die Kellers ein besonderes Jubiläum. Vor fast genau 100 Jahren füllte Klaus-Peters Ur-Ur-Großvater Georg III. erstmals einen Wein vom heute von der VDP als Große Lage klassifizierten Weinberg Oberer Hubacker auf die Flasche und begann, diesen selbständig zu vermarkten. 2021 sei laut Klaus-Peter Keller für den felsigen, knapp vier Hektar großen Oberen Hubacker ein durchaus vielversprechendes Jahr gewesen, sodass sich die Familie sicher ist: Georg III. freut sich zum Ehrenjahr mit ihnen. Wir gratulieren und sind gespannt auf den Jubiläumswein!

Ihr

Gault&Millau Deutschland

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