Wien, Wien, nur du allein …

… sollst stets die Stadt meiner Träume sein. So heißt es in einem Wienerlied aus dem Jahr 1912, das in mehrere Sprachen übersetzt und so zu einem Welthit wurde. Aber was macht Österreichs Hauptstadt so einzigartig? Hier 26 Argumente.

Albertina. In Wien gibt’s sage und schreibe gut 200 Museen, wobei die Albertina im 1. Bezirk schräg hinter der Staatsoper mit rund einer Million Besuchern pro Jahr zu den absoluten Magneten zählt. Mit der 14.000 Zeichnungen und 200.000 Druckgrafiken zählenden „Sammlung Herzog Albert“ mit Werken von Michelangelo über Dürer bis Rubens beherbergt sie eine der bedeutsamsten Kunstsammlungen der Welt.

Beisl. Wie sang er so schön anno 1976, der Peter Alexander? „Das kleine Beisl in unserer Straßen, da wo das Leben noch lebenswert ist …“ Obwohl: Anfangs genoss diese Art Wirtshaus eher zweifelhaften Ruf, das Beisl stand oft für billig und schlecht. Heute aber ist es eine Institution, ein Hort der Gemütlichkeit und – im Idealfall – ein Garant für erstklassige Wiener Küche.

Cobenzl. In Wahrheit heißt sie ja Reisenberg, diese 382 Meter hohe Erhebung im 19. Bezirk. Als jedoch 1773 ein gewisser Graf Johann Philipp Cobenzl das Areal auf dem Berg erwarb, ehemalige Jesuitenhäuser zu einem Schloss umbauen und eine Meierei errichten ließ, sprach der Volksmund bald nur noch vom Cobenzl. Heute steht dieser Cobenzl vor allem für eines: einen unsagbaren Blick über die Stadt.

Der dritte Mann. Dieser größtenteils in Wien gedrehte Filmklassiker aus 1949 mit Orson Welles und Joseph Cotten hat Spuren hinterlassen. Nicht nur, dass die auf einer Zither eingespielte Filmmusik von Anton Karas zum Klassiker wurde, bietet die Stadt auch Führungen zu Drehorten an. Eine davon führt vom Karlsplatz hinunter in die Wiener Kanalisation, die in der finalen Verfolgungsjagd im Zentrum steht.

Edenbar. Über 100 Jahre ist sie alt, die legendäre Eden nahe dem Stephansdom. Promis aus aller Welt traten hier ein – und mitunter auch auf. Ella Fitzgerald etwa soll eines Nachts, begleitet von der Hausband, spontan die Stimme erhoben haben und im Gästebuch trugen sich Größen wie Billy Wilder, Liz Taylor, Jack Lemmon, Romy Schneider oder Alain Delon ein. Und obgleich sie schon so alt ist, die Eden, der Lack ist noch immer nicht ab. Zumindest nicht ganz …

Friedensreich Hundertwasser. Der 1928 als Stowasser geborene und Friedrich getaufte Wiener, der im Februar 2000 als Friedensreich Hundertwasser an Bord der Queen Elizabeth II. vor Brisbane starb, zählt heute noch zu den bedeutendsten Malern und Architekten des Landes. Bauwerke, die man in der Hauptstadt bewundern kann: die Wohnanlage Hundertwasserhaus, die Müllverbrennungsanlage Spittelau sowie das Museum KunstHausWien.

Gugumuck. Von Beginn des 18. Jahrhunderts bis zum Ende der Monarchie waren Wiener Weinbergschnecken weit verbreitet, auf Märkten verkauften sie die sogenannten Schneckenweiber gebacken oder in Speck gebraten als Snack. Und dass die Tiere heute wieder in vieler Munde sind, haben Genießer Andreas Gugumuck zu verdanken. Der betreibt im Süden der Stadt eine Schneckenmanufaktur inklusive Shop, Bistro und Gartenbar – wunderbar!

Heuriger. Wer Wien bereist und Wein mag, kommt um einen echten Wiener Heurigen nicht herum. Doch wie erkennt der Gast den Echten? Es darf nur Wiener Wein, im Idealfall der des Betriebes, ausgeschenkt werden, ein Föhrenbuschen muss vor dem Lokal hängen und auf einer Tafel das Wort „Ausg’steckt“ stehen, das anzeigt, dass geöffnet ist. Das Wort Heuriger bezeichnet überdies den Wein des aktuellen Jahrgangs, der dann traditionell bis 11. November so genannt werden darf.

Innere Stadt. Das Herz der Stadt, der 1. Bezirk, ist mit 2,87 Quadratkilometern zwar der sechstkleinste und zudem der bevölkerungsärmste der insgesamt 23 Wiener Bezirke und dennoch der lebendigste. Eine schier endlos lange Flanier- und Einkaufsmeile mit einem kulturellen und kulinarischen Angebot, das einer Weltstadt mehr als würdig ist. Schauen, staunen, sich treiben lassen …

Japanischer Garten. Das prachtvolle Schloss Schönbrunn, in seiner heutigen Form im 18. Jahrhundert als Sommerresidenz für Erzherzogin Maria Theresia errichtet, verfügt über einen gigantischen Park inklusive ältestem in Betrieb befindlichem Zoo der Welt. Und dann gibt’s da noch den Japanischen Garten mit seiner kuriosen Geschichte. Angelegt 1913, geriet er nach dem Ersten Weltkrieg völlig in Vergessenheit, wurde komplett von Efeu überwuchert und war nicht mehr zu sehen. Eine in Wien lebende Japanerin entdeckte schließlich zufällig die Überreste, woraufhin der Garten 1999 restauriert, um einen Stein- und Teegarten erweitert und feierlich neu eröffnet wurde.

Käsekrainer. 2010 waren es noch knapp 800, heute sind es beinahe zwei Drittel weniger. Aber aussterben werden sie nie, die Wiener Würstelstände, wie auch die Käsekrainer nicht, eine meist gegrillte Brühwurst mit rund 20 Prozent Käseanteil und gleichzeitig das Sinnbild dieser oft bis spät in die Nacht geöffneten, hauptsächlich freistehenden Labestationen. Ob des Käses werden diese Krainer übrigens gerne „Eitrige“ genannt. Mahlzeit.

Lainzer Tiergarten. Einst Jagdrevier der Monarchie, handelt es sich heute um ein öffentlich und durch sieben Tore zugängliches Naturschutzgebiet. Die Mauer rund um das 2.450 Hektar große Areal ist 22 Kilometer lang, die Tiere, von Wildschweinen über Rehe, Damhirsche bis zu Mufflons, leben frei.

Milchrahmstrudel & Melange. Ein Klassiker der Wiener Mehlspeiskultur und ein Klassiker der Wiener Kaffeekultur. Und wo, wenn nicht in einem klassischen Wiener Kaffeehaus wie dem Sperl, dem Prückel, dem Landtmann, dem Korb oder dem Eiles sollte man die beiden genießen? Eben! Bereits 1685 wurde das erste Kaffeehaus der Stadt eröffnet, um 1900 gab es unglaubliche 600. Seine Blütezeit erlebte es schließlich Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, als sogenannte Kaffeehausliteraten wie Arthur Schnitzler, Karl Kraus, Friedrich Torberg oder Stefan Zweig ihre Stammcafés zu ihren Arbeitsstätten machten.

Nussberg. Mit 342 Metern exakt 40 Meter niedriger als der Cobenzl, steht dieser einst mit Haselnusssträuchern bewachsene und heute fast zu Gänze mit Weinreben bedeckte Berg stellvertretend für den Wiener Wein. Es gibt – weltweit einzigartig für eine Metropole – innerhalb der Stadtgrenzen 700 (!) Hektar Rebfläche, davon rund die Hälfte auf und rund um den Nussberg und den Kahlenberg im 19. Bezirk, der Rest findet sich nördlich der Donau am Fuße des Bisambergs, ein kleinerer Teil im Süden in Mauer sowie in Oberlaa und am Laaer Berg. Besonders erwähnenswert: der Wiener Gemischte Satz – siehe W.  

Oswald & Kalb. Ein Kultwirtshaus im 1. Bezirk in der Bäckerstraße, das vergangenes Jahr seinen 40. Geburtstag feierte. Eröffnet von den Kunsthändlern Kurt Kalb und Evelyn Oswald, etablierte es sich bald als Prominenten-Stammlokal. Helmut Qualtinger aß und trank hier, auch Hans Hölzl, sprich Falco, H. C. Artmann oder Niki Lauda schätzten Küche und Flair des gemütlichen Gewölbes aus dem 16. Jahrhundert. Und womit? Mit Recht …

Prater. Gut sechs Quadratkilometer ist dieses zu einem Gutteil öffentliche Areal im 2. Bezirk groß, das hauptsächlich von Grünlandschaften geprägt ist und als Naherholungsgebiet gilt. Rund 0,3 Quadratkilometer beansprucht allerdings der Vergnügungspark Wurstelprater, der schon aus der Ferne mit dem Riesenrad lockt und mit dem Schweizerhaus samt prachtvollem Gastgarten. Das Lokal ist (welt)berühmt für die gegrillten Schweinsstelzen und das Budweiser-Bier vom Fass, das – und das ist das Besondere – mit weniger CO2 als üblich gezapft wird, sich also fast wie Wasser trinken lässt. Nur eben mit gutem Geschmack …

Quetschn. So wird sie im Volksmund genannt, die Knopfharmonika. Tut sich nun ein Quetschnspieler mit zwei Geigern und einem Kontragitarristen zusammen, hat man auch schon ein Quartett, das seine Zuhörer – nicht selten beim Heurigen – mit der nach den Brüdern Johann und Josef benannten Schrammelmusik, der typischen Wiener Volksmusik, beglückt.

Rindsgulasch. Das klassische Wiener Rindsgulasch ging aus dem nicht minder klassischen Wiener Saftgulasch hervor. Letzteres besteht zu gleichen Teilen aus Fleisch und Zwiebeln, weshalb es eher flüssig ist. Beim Rindsgulasch verschiebt sich das Verhältnis ein wenig zugunsten des Fleisches (unbedingt Wadschunken!) und das Gericht wird mit etwas Mehl gestaubt. Bei der Variante Fiaker­gulasch garniert man das Rindgulasch mit einem Spiegelei, einem gekochten Frankfurter (Wiener) Würstchen und einem gefächerten Essiggurkerl.

Steirereck. Über Birgit und Heinz Reitbauers weit über Österreich hinaus bekannten und so herrlich unprätentiösen Fünf-Hauben-Gourmettempel im Wiener Stadtpark braucht man nicht viele Worte zu verlieren. Das Steirereck ist schlicht und einfach – und das schon über viele, viele Jahre – das beste Restaurant des Landes. Punkt.

Tafelspitz. Gekochtes Rindfleisch, egal ob Tafelspitz, das Schwanzstück also, Schulterscherzl, Kruspelspitz oder mageres Meisel, gehört zu Wien wie der Stephansdom und wird oft in der Suppe serviert. Die klassischen Beilagen: Semmel- oder Apfelkren, Cremespinat, Dillrahmfisolen oder Schnittlauchsoße sowie Kartoffelschmarrn.

Urania. Im 1. Bezirk direkt am Donaukanal thront die Urania, ein in den Jahren 1909 und 1910 in neobarockem Stil erbautes Volksbildungshaus, das zu den Wahrzeichen der Stadt zählt. In ihm befinden sich neben der Volkshochschule ein Kino, eine Sternwarte, eine Bar und das legendäre Urania Puppentheater, dessen Geschäftsführer kein geringerer als André Heller ist.

Viktualien. Lebensmittel kaufen die Wiener gerne auf Märkten, von denen es 17 sogenannte Detailmärkte (Montag bis Samstag) und fünf Wochenmärkte (nur an speziellen Tagen) gibt. Der berühmteste ist der zwischen Rechter und Linker Wienzeile im 6. Bezirk beheimatete Naschmarkt, mit 2,3 Hektar Fläche und mehr als 120 fixen Ständen auch der größte. Zahlreiche Stände wurden inzwischen in gastronomische Betriebe umgewandelt, weswegen – speziell in der warmen Jahreszeit – auch an Abenden buntes Treiben herrscht.

Wiener Gemischter Satz. Dieser Wein ist wahrlich eine Besonderheit, aber keine Cuvée, da die verschiedenen Rebsorten – mindestens drei – gemeinsam in einem Weingarten wachsen müssen. Der größte Sortenanteil darf nicht höher als 50 Prozent sein, der drittgrößte muss mindestens zehn betragen. Der G’mischte Satz ist immer ein Weißer und besteht aus bis zu 20 verschiedenen Rebsorten, darunter Riesling, Grüner Veltliner, Weißburgunder, Grauburgunder oder Chardonnay.

X-Wagen. So heißt die neue Generation von Triebfahrzeugen, mit denen das bestens ausgebaute Wiener U-Bahn-Netz seit 2020 sukzessive neu ausgestattet wird. In Wien fahren insgesamt fünf Linien (U1, U2, U3, U4 und U6, also keine U5), die gesamte Streckenlänge beträgt 83,1 Kilometer, es gibt 98 Stationen und jährlich werden rund 450 Millionen Passagiere befördert.

Yachthafen. Von denen gibt es zwei, beide – wo auch sonst – an der Donau: den Yachthafen Kuchelau und den Sportyachthafen Marina Wien. Motorbootfahren ist auf der Donau grundsätzlich erlaubt, in beiden Betrieben kann man Boote chartern.

Zentralfriedhof. Weit draußen in Simmering, dem 11. Bezirk, liegt der Zentralfriedhof. 1874 eröffnet, ist er mit einer Gesamtfläche von rund 2,5 Quadratmetern hinter Ohlsdorf (Hamburg) und Brookwood Cemetery (London) Europas drittgrößter, mit gut 330.000 Grabstellen sogar der größte. Was diesen Friedhof, dem Austropop-Legende Wolfgang Ambros 1974 mit dem Lied „Es lebe der Zentralfriedhof“ ein Denkmal setzte, nicht zuletzt seit Jahrzehnten zu einer Attraktion macht, sind die vielen Ehrengräber und zahlreichen Jugendstilbauwerke.

Text: Achim Schneyder

Fotos: Philipp Horak

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